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Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
Gerd-Lothar Reschke: |
Goethe, Faust II: Wie Mephisto das Papiergeld einführtVermutlich lernte Goethe bei den Freimaurern, denen er angehörte, das dortige Einweihungswissen von der Geldschöpfung. So gibt es im Drama Faust II eine sehr charakteristische Szene, in der Mephistopheles (also der Teufel) das Papiergeld einführt. Und zwar aufgrund eines Tricks, der nur vorgetäuschten Wert bzw. Reichtum mit tatsächlichem Wert vertauscht und damit einen Weg zum leichten Vergnügen schafft: Ein solch Papier, an Gold und Perlen Statt, Schatzkanzler zum Kaiser: "Gewähre dir das hohe Festvergnügen, Der Kaiser kann noch gar nicht glauben, daß Papier soviel wie Gold gelten soll: Und meinen Leuten gilt's für gutes Gold? Mephisto beeilt sich gleich, die praktischen Vorzüge des Scheingeldes herauszustreichen: Man wird sich nicht mit Börs' und Beutel plagen, Der naive Faust, ganz wohlmeinender Idealist, ist nur zu bereit, auf den Trick hereinzufallen: Das Übermaß der Schätze, das, erstarrt, Statt Wert nur noch Wertversprechung. Ein perfekter Spiegel unseres aktuellen Problems!
So geht dann die Herrschaft auf die Geldmacher über; der Kaiser wird vom Herrscher zur bloßen Fassade degradiert. Nun herrscht das neue Schein-Geld-System. Kaiser: Das hohe Wohl verdankt euch unser Reich; Das gemeine Volk tut das, was es heute auch tut: Konsumieren statt nachdenken: Ich lebe lustig, heiter, guter Dinge. Ein andrer: Ich schaffe gleich dem Liebchen Kett' und Ringe. Kämmerer: Von nun an trink' ich doppelt beßre Flasche. Ein andrer: Die Würfel jucken mich schon in der Tasche. Bannerherr: Mein Schloß und Feld, ich mach' es schuldenfrei. Ein andrer: Es ist ein Schatz, den leg' ich Schätzen bei. Irgendwie schwant dem Kaiser, daß es so auf Dauer nicht klappen kann, aber ganz Pragmatiker, arrangiert er sich (genau wie unsere heutigen Politiker) mit dem Schwindel: Ich hoffte Lust und Mut zu neuen Taten; Einzig der Narr durchschaut das Spiel: Narr: Ihr spendet Gnaden, gönnt auch mir davon! Kaiser. Und lebst du wieder, du vertrinkst sie schon. Narr: Die Zauberblätter! ich versteh's nicht recht. Kaiser: Das glaub' ich wohl, denn du gebrauchst sie schlecht. Narr: Da fallen andere; weiß nicht, was ich tu'. Kaiser: Nimm sie nur hin, sie fielen dir ja zu. Narr: Fünftausend Kronen wären mir zu Handen! Mephistopheles: Zweibeiniger Schlauch, bist wieder auferstanden? Narr: Geschieht mir oft, doch nicht so gut als jetzt. Mephistopheles: Du freust dich so, daß dich's in Schweiß versetzt. Narr: Da seht nur her, ist das wohl Geldes wert? Mephistopheles: Du hast dafür, was Schlund und Bauch begehrt. Narr: Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh? Mephistopheles: Versteht sich! Biete nur, das fehlt dir nie. Narr: Und Schloß, mit Wald und Jagd und Fischbach? Mephistopheles: Traun! Narr: Heut abend wieg' ich mich im Grundbesitz! - Mephistopheles: Wer zweifelt noch an unsres Narren Witz! (Hier die relevanten Seiten im Original: Seite 1, Seite 2). Jedenfalls ist es heute interessant herauszufinden, daß Goethe ein besseres Gespür für den faulen Zauber ungedeckten Geldes hatte als alle heutigen "Wirtschaftsexperten". Hierzu gibt es in Presse.com ein lesenswertes Interview mit dem Schweizer Ökonom Hans-Christoph Binswanger. Bemerkenswert folgender Satz: Mephisto weiß es offenbar besser als Faust; er sagt: „Auf Vernichtung läuft's hinaus.“
So wieder in jüngerer Zeit, aufgrund eines Gewahrwerdens der Katastrophe: falsche Werte, falsche Vorspiegelungen brechen wie Kartenhäuser zusammen. Und nicht zuletzt tritt dabei die Hohlheit derselben falschen Denkweise offen zutage, die Goethe im Faust II so prägnant getroffen und mit wenigen Worten skizziert hat. Jedenfalls hundertmal genauer und besser als alles, was heute so in den Medien dazu verbrochen wird. Die Idee hinter der Alchemie war es, künstliches Gold herzustellen. Die moderne Alchemie produziert Gold im übertragenen Sinn, sie macht aus Wertlosem Wertvolles. Das Papiergeld wird investiert, wie im fünften Akt von Faust und Mephisto, und wenn es investiert wird, wird auch mehr produziert, es wird nicht inflationär vergeudet, das Papiergeld wird wertvoll und bleibt wertvoll; das ist die heutige Wirtschaft.
Aha, die moderne Alchemie "macht aus Wertlosem Wertvolles", denn "das Papiergeld wird wertvoll und bleibt wertvoll". Ist der Mann nur so beschränkt, daß er das nicht durchschaut, oder vertritt er einfach bloß bestimmte dahinterstehende Interessen? Jedenfalls versucht er uns hier mit dem Geldschöpfungstrick 1 hereinzulegen, benutzt also denselben mephistophelischen Winkelzug, den Goethe in seiner Szene bereits für den aktiv Mitdenken sehr schön anschaulich entlarvt hat. |
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