Die Lose-Lose-Situation
Am Ende des vorletzten Beitrags Die Zeit der Diktatur bricht jetzt an schrieb ich über die Methode des Casinos "Finanzsystem", zum Mitspielen zu verleiten und dabei einen unsichtbaren Gewinn einzustreichen. Das 1910 auf Jekyll Island von einem Bankenkartell unter großer Geheimhaltung konzipierte Federal Reserve System, das sich durch geschickte Intrigen und Bestechungsmanöver Ende 1913 vom wenig ahnenden Kongress der Vereinigten Staaten legitimieren ließ (sogenannter Federal Reserve Act), basiert auf einem raffinierten Überlistungstrick. Bei diesem Trick — man könnte ihn auch als Zauberkunststück bezeichnen — werden die neu angeworbenen Beteiligten des Systems, hier des Geldsystems, von ihrer eigenen Übervorteilung abgelenkt, indem man die Aufmerksamkeit umleitet auf andere Augenmerke. Der Trick selbst wird nicht enthüllt und gelangt auch nicht ins Bewußtsein der Beteiligten.
Teil 1 des Tricks hatte schon Goethe in seinem Faust II beschrieben. Dort führt Mephistopheles (also der Teufel) das Papiergeld ein, als Weg zum leichten Vergnügen, für das man nicht mehr durch redliche Arbeit aufkommen muß, sondern das man sich bereits im vorhinein, durch Kredit auf in der Zukunft erwartete Werte und Leistungen, erzeugen kann. Es wird einfach als Papierschein bzw. Wechsel ausgestellt, in Umlauf gebracht und erlaubt dem Besitzern, damit zu prassen. Der zweite Teil des Tricks besteht in der Mehrfachbeleihung eines einmal zur Bank gebrachten Wertes, genannt "Mindestreserve". Dabei kann dieser Wert beispielweise 10- oder 20-Mal beliehen werden. Man geht einfach davon aus, daß nicht alle Gläubiger gleichzeitig zurückkehren und für ihren Wechsel den eingelieferten Wert zurückfordern werden. Auf diese Weise läßt sich dann leicht das sogenannte "Geld aus dem Nichts" (Fiat-Geld) erschaffen. Man könnte noch einen dritten Aspekt des Tricks anführen, der ebenfalls ein gravierende Rolle spielt: den Zinseszins. Durch die exponentielle Steigerung des Zinseszinses bläst sich die Schuldenmenge (des nach obiger Methode erzeugten Kredits) mit unglaublicher Geschwindigkeit auf, so daß der Gläubiger schon durch bloßes Nichtstun immer mehr verdient, während der Schuldner in eine heimtückische Schuldenspirale gerät.
Diese sorgfältig im Verborgenen gehaltenen und nur von "Eingeweihten" richtig verstandenen Mechanismen des Geldsystems wurden mit der endgültigen Aufhebung der Wertdeckung des US-Dollars im Jahre 1971 endgültig entfesselt. Bleiben wir aber vorerst noch beim Grundansatz, denn hier spielt sich das Alles-Entscheidende ab: Der raffinierte Trick besteht darin, schon vorher zu wissen, was später passieren wird. Wer das System in die Welt setzt, ist von vornherein der Gewinner. Die, die unwissentlich darauf hereinfallen, sind von vornherein die Verlierer. Die gegenwärtigen Diskussionen in der Öffentlichkeit über Wirtschafts- und Finanzkrise, Staatsschulden, Neuverschuldungen und Firmeninsolvenzen lassen diesen entscheidenden Punkt so gut wie immer außer Betracht. Da wird dann andauernd lamentiert, man sei in eine unvorhersehbare, kritische Lage geraten und müsse sehen, wie man den Karren wieder aus dem Dreck ziehen könne. Dabei ist das Spiel doch von vornherein ein ganz anderes gewesen: Diejenigen, die sich das Spiel ausgedacht und es eingefädelt haben, haben für sich eine Win-Win-Situation geschaffen, und genau dadurch haben sie alle anderen, die auf das Spiel hereingefallen sind, in eine Lose-Lose-Situation gebracht. Das ist der einfache Hintergrund und die einzige Wahrheit, die man erkennen und beachten muß!
Wollte man aus dieser Lose-Lose-Situation wieder herauskommen, so müßte man das gesamte Spiel beenden. Man müßte an die Ausgangssituation, an die Wurzeln des Spiels bzw. des Zaubertricks zurückkehren und dort ein für allemal Abhilfe schaffen, damit so etwas nicht wieder passiert. Wenn man das tut, zeigt sich sofort, was not täte: die drei versteckten Tricks bzw. Trick-Aspekte müßten revidiert werden.
Kann man das überhaupt? Ist das in unserer jetzigen Lage überhaupt möglich? Nun kommen wir an den hauptsächlichen Knackpunkt der ganzen Thematik. Die Tricks ermöglichen, fiktive Werte zu erschaffen: fiktiven Wohlstand, fiktive Sicherheit, aber auch fiktive Möglichkeiten der Staaten und der Gemeinwesen, da mit den Schulden großartige Institutionen und Verkehrssysteme scheinbar zuverlässig und zukunftsträchtig finanziert werden können; auch Kriegsrüstung kann auf Pump erworben und damit eine militärische Überlegenheit etabliert werden. Alle derartigen Fiktionen zu verabschieden und endgültig loszuwerden ähnelt nicht zufällig dem Drogenentzug: man hat sich jahrelang, sogar lebenslang fundamentalen Täuschungen hingegeben, hat sich auf ein Glück fixiert, das in seinem Kern Lüge und Selbstbetrug gewesen ist, und muß nun den schwierigen Schritt zurück in die tatsächliche Wirklichkeit bewerkstelligen, muß die dabei entstehenden Ernüchterungen konfrontieren und in gewissem Sinne wieder ganz von vorne anfangen. Genau so ist es mit unserem Geldsystem: Nicht nur einzelne Staaten, sondern der ganze Planet lebt noch "auf Droge" und muß davon wieder herunterkommen.
Wir sehen in diesen Tagen, daß die Wahrscheinlichkeit einer freiwilligen Rückkehr zur Vernunft so gut wie ausgeschlossen ist. Selbst wenn einzelne Gemeinwesen zur Besinnung kämen, würden die anderen weitermachen wie gehabt und sich mit ihrem fiktiven Reichtum weiterhin über die Ehrlichen zu stellen versuchen. Es wird daher zum erzwungenen Kollaps kommen müssen, so schrecklich das in seinen Konsequenzen auch immer sein wird. Denn eines ist klar: die Tricks funktionieren nicht dauerhaft, genauso wenig wie der Drogensüchtige mit seinem Genußgift dauerhaft glücklich werden kann. Die Illusion läßt sich nicht bis ins Unendliche aufblasen und zu einem Quell ehrlicher, zuverlässiger Tatsachen machen. Das Leben läßt sich nicht endlos betrügen.
Noch einmal: Das Spiel muß von Anfang an, mitsamt seinen Wurzeln, seinem Trickkonzept, verstanden und verabschiedet werden. Andernfalls entstehen immer von neuem Kraken wie die Zentralbanken und privaten Banken, die die Lebenskraft der Menschen aussaugen und zur Bereicherung privilegierter Drahtzieher oder zum ungehemmten Wachstum faschistischer und/oder sozialistischer Staatsbürokratien führen. Aber im selben Moment, wo dieses Spiel gestoppt wird, fallen auch alle Staaten und ihre Regierungen, die mit dem Schwindel verstrickt und verwoben sind. Und das sind in unserer heutigen Zeit: alle.
Auch der Staat kann Natur, Mathematik oder Physik nicht austricksen, indem er einfach aus bloßer, leerer Luft Werte erschafft. Der Verlauf der Geschichte des Geldes über mehrere tausend Jahre hinweg beweist, daß es gerade die korrupten, machtgierigen Herrscher waren, die Staatsgeld zur Bereicherung auf Kosten ihrer Bürger benutzt haben. Daß es auch heute so ist, wird im Moment noch nicht offen ausgesprochen und ist nur den allerwenigsten erkennbar. Aber es verhält sich genauso wie in früheren Zeiten unseriöser Regimes. Die Diskussionen über Kapitalismus oder Kommunismus, Links oder Rechts, viel oder wenig Verstaatlichung — sie offenbaren allesamt dieses Unverständnis. Ganz gleich, welche Richtung hier eingeschlagen wird: die Politiker und ihre Haushaltsexperten bewegen sich immer noch auf dem dünnen Eis ihres Papiergelds und ihrer scheinbaren Macht. Ob dieses Geld und diese Macht dann eher zugunsten der "Reichen" oder der "Ärmeren" erschaffen und benutzt wird, macht keinen prinzipiellen Unterschied: es ist und bleibt immer nur dieselbe Droge.
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