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Gerd-Lothar Reschke:
Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere.
Logbuch 3.2006 – 12.2006


Engelsdorfer Verlag,
606 Seiten, 28,00 Euro,
ISBN 978-3-86703-016-8

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Die Empörungstheoretiker

Ich nehme einmal als typisches Beispiel die WTC-Katastrophe. Immer noch beschäftigen sich viele mit der Frage, ob dieses Ereignis nicht von der US-Regierung selbst geplant und durchgeführt worden ist. Unterstellt wird hier, daß die Klärung dieser Vermutung von entscheidender Bedeutung für die Gegenwart sei. Die "Wahrheit" müsse herauskommen, und dann werde sich alles ändern.

Aber ein allesentscheidender Gesichtspunkt wird komplett außer acht gelassen: Selbsterkenntnis. Was ist das Motiv hinter der jahrelangen Beschäftigung mit obengenannter Vermutung? Würden die Betreffenden auch nur für kurze Momente Selbsterkenntnis üben, kämen sie schnell dahinter, und dann würde sich wirklich alles ändern. Es geht nämlich in Wahrheit immer um die eigene Empörung. Was steckt wiederum hinter dieser Empörung? Die Unterstellung der eigenen Bedeutungslosigkeit und das Verlagern der entscheidenden Aspekte nach außen, hin zu irgendwelchen vermuteten Verantwortlichen. Die Empörung ist das Grundproblem. Wer in ihr verharrt — und es gibt, neben der WTC-Katastrophe, noch sehr viele andere, und viel aktuellere, Anlässe dazu —, der begeht ein fundamentales Verbrechen an sich selbst.

Ich gehe soweit, zu sagen, daß es völlig egal ist, inwieweit die US-Regierung für irgendetwas — sei es die WTC-Katastrophe, sei es die gegenwärtige Finanz- und die kommende schwere Systemkrise, sei es irgendein Krieg oder eine andere Ungerechtigkeit — "verantwortlich" ist. Es ist viel wichtiger, inwieweit der Punkt der Selbsterkenntnis verlassen und somit Verrat an sich selbst, dem Betrachter und Wahrnehmenden solcher Ereignisse, begangen wird. Es ist allesentscheidend, ob Empörung stattfindet. In der Empörung zu verharren ist keine echte Antwort. Und die davon ausgelöste, damit einhergehende Negativität ist erst recht keine Antwort. Was allein zählt, ist die richtige Antwort. Und wie lautet die? Auf sich selbst zu schauen, aufs eigene Leben zu schauen, auf die eigene Verantwortung in diesem Leben zu schauen.

Von diesem Moment an gibt es nur Positivität. Nur damit gelangt man wieder an den Ausgangspunkt, von dem her etwas Sinnvolles geschehen kann.


Ich schreibe diesen Eintrag natürlich auch wegen mir selbst und als Kennzeichen einer persönlichen Umkehr. Durch einige Einflüsse habe ich mich in den letzten Monaten viel zu sehr ins Netz der Empörung — und damit in ein zerstörerisches Hirngespinst — verstricken lassen. Jedenfalls ist es bei mir so, daß ich es sehr schnell und direkt anhand meines körperlichen Befindens merke. Es macht mich krank. Andere merken das wohl nicht so direkt, sonst würden sie reagieren und unmittelbar in sich gehen; es wäre ihnen dann gar nicht möglich, für Wochen, Monate, Jahre oder sogar lebenslänglich in dieser selbstverursachten Verstrickung zu verharren.

Für Inhalte, insbesondere Einschätzungen und Empfehlungen, wird trotz sorgfältiger Auswahl keine Haftung übernommen.
Es handelt sich ausdrücklich um keine Anlage- oder sonstigen Finanzierungsempfehlungen, sondern um unverbindliche Informationen.
Die Nutzung der Veröffentlichungen geschieht auf eigene Verantwortung.

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