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Gerd-Lothar Reschke:
Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere.
Logbuch 3.2006 – 12.2006


Engelsdorfer Verlag,
606 Seiten, 28,00 Euro,
ISBN 978-3-86703-016-8

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Systemkrise und Geheimwissen

Wie im letzten Beitrag angesprochen, stellt sich anhand gesellschaftlicher Konfliktherde die Aufgabe, bei sich selbst und bei der eigenen Verantwortlichkeit für die jeweilige Situation zu bleiben, statt in Negativität, also etwa in Empörung, ohnmächtigen Zorn, Resignation und Depression oder in fruchtloses Nachdenken zu verfallen. Die aktuelle Situation ist jetzt die, daß nicht nur 99% der Bevölkerung, sondern meiner Vermutung nach über 99,99% unserer Mitbürger keine Ahnung haben, worin die eigentlichen Ursachen der kommenden Systemkrise bestehen. Das Wissen um die Natur unseres Geldes ist immer noch Geheimwissen.

Und so ist es auch in den letzten Jahrhunderten schon gewesen. Bei den Freimaurern wurde das Wissen um die Natur des Geldes als besonderes Einweihungswissen behandelt, und nur denjenigen, die sich bereits in den höheren Stufen der esoterischen Hierarchie befanden, wurde es zuteil. Und wie überall in der echten Esoterik braucht nichts von diesem Wissen verschwiegen zu werden: Jeder hat es direkt vor Augen. Aber nur die, die den Zusammenhang verstehen, können es als das erkennen, was es ist.

Am 28. 6. 1863 teilten die Gebrüder Rothschild von London aus einem ihrer US-Geschäftspartner mit: "Die wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, daß aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, daß das System ihren Interessen feindlich ist."

Das Konzept, um das es hier geht, ähnelt einem Zaubertrick, der denjenigen reich und erfolgreich macht, der ihn beherrscht. Durch den darin enthaltenen Mechanismus des möglichen Eigenprofits schützt sich das Geheimnis selbst. So verhält es sich auch bei Kettenbrief- und Schneeballsystemen (im angloamerikanischen Raum ist auch das Ponzi-Schema bekannt): die Urheber solcher Systeme initiieren einen Sog, der ihnen nach und nach immer mehr Reichtümer derjenigen zuführt, die in das System hineingezogen werden. Gier und Illusionsbereitschaft, also die ganz normalen, überall verbreiteten menschlichen Schwächen, bewirken die rasante Ausbreitung dieses Vorgangs. Insbesondere während einer Epoche, in der eine Lebensorientierung hin zu materiellen Werten und äußerlichem Besitz vorwiegt — also genau wie in der heutigen Zeit.

Und nach ebendiesem selben Schneeballprinzip arbeitet auch unser aktuelles, schon längst nicht mehr durch reale Werte gedecktes Kreditgeldsystem. Auch hier findet eine Umverteilung vom Neuankömmling hin zum Urheber und Kontrolleur des Systems statt; auch hier geschieht eine immer stärker werdende (exponentielle) Beschleunigung des Vorgangs — und was das wichtigste ist: Auch hier ist der Initiator der Hauptnutznießer, weil er der einzige ist, der den Trick wirklich durchschaut. Die anderen sind alle nur Opfer, die nach und nach immer mehr übervorteilt und schließlich vollständig enteignet werden.

Diesem Punkt beginnen wir uns nun mit unserem Geldsystem zu nähern, und immer noch durchschaut praktisch niemand den Zusammenhang. Alle Hoffnungen auf rechtzeitige Aufklärung greifen offensichtlich zu kurz: Borniertheit, Ablenkung, Unfähigkeit, Obrigkeitsgläubigkeit und Denkträgheit der Masse sind — wieder einmal, und wie schon immer in der Geschichte! — viel zu stark, als daß ein rechtzeitiges Gewahrwerden der Übervorteilung stattfinden könnte. So nähert sich also der Punkt, an dem das Leben selbst die Lehre erteilt, ganz nach dem bekannten Motto: Wer nicht hören will, muß fühlen.


Was kann man in solch einer Lage denn noch tun? Die Frage der Empörung (angesichts der — offenkundigen oder vielleicht auch nur vermeintlichen — Ungerechtigkeit dieser Entwicklung) und der versuchten Aufklärung wurde bereits beantwortet. Den Propheten zu spielen zahlt sich nicht aus; im Gegenteil: Man schadet sich damit bloß selbst. Die Kunst besteht darin, den richtigen Zugang zu dieser neuen Situation zu finden, und zwar allein für sich selbst. Das Hauptaugenmerk kann nicht mehr sein, anderen zu "helfen", sondern das Leben hat eine andere Lehre in Vorbereitung. Man steht zum ersten Mal da, wo man eigentlich schon immer stand, es aber aus Verkennung der wirklichen Relationen nicht merkte: Man steht bei sich selbst und für sich selbst. Theorie und schöne Ideen entpuppen sich als wertlos. Auch die "Freunde" und Gesinnungsgenossen, all diese Bezugspersonen, mit denen man sich in Einklang zu bringen versuchte und an denen man sich mehr oder weniger orientierte (und ohne deren Zustimmung man sich schwach und hilflos fühlte, auch wenn man sich das niemals eingestehen wollte), geraten in den Hintergrund — wenn sie sich nicht sogar als Gegner und Hindernisse erweisen. Es geht hier nicht mehr um intellektuelle "Erkenntnisse", nicht mehr um "Zustimmung", sondern was zählt, ist allein die eigene Praxis, die ganz konkrete Anwendung des eigenen Verständnisses, also: das ganz direkte Tun und Umsetzen. Intellektualität rächt sich nun, denn sie hindert am Notwendigen. Das merkt man aber erst jetzt, und es ist eine gute und äußerst lehrreiche Erfahrung. Man lernt still zu sein; man wird bescheidener, kleiner, nüchterner.

Es ist tatsächlich unwichtig, wie viele Menschen etwas verstehen oder nicht verstehen. Sondern es zählt allein das, was man selbst versteht. Und dieses Verstehen ist, wie gesagt, kein Denkvorgang.

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