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Gerd-Lothar Reschke: |
Systemkrise und Geheimwissen
Wie im letzten Beitrag angesprochen, stellt sich anhand gesellschaftlicher Konfliktherde die Aufgabe, bei sich selbst und bei der eigenen Verantwortlichkeit für die jeweilige Situation zu bleiben, statt in Negativität, also etwa in Empörung, ohnmächtigen Zorn, Resignation und Depression oder in fruchtloses Nachdenken zu verfallen. Die aktuelle Situation ist jetzt die, daß nicht nur 99% der Bevölkerung, sondern meiner Vermutung nach über 99,99% unserer Mitbürger keine Ahnung haben, worin die eigentlichen Ursachen der kommenden Systemkrise bestehen. Das Wissen um die Natur unseres Geldes ist immer noch Geheimwissen.
Was kann man in solch einer Lage denn noch tun? Die Frage der Empörung (angesichts der — offenkundigen oder vielleicht auch nur vermeintlichen — Ungerechtigkeit dieser Entwicklung) und der versuchten Aufklärung wurde bereits beantwortet. Den Propheten zu spielen zahlt sich nicht aus; im Gegenteil: Man schadet sich damit bloß selbst. Die Kunst besteht darin, den richtigen Zugang zu dieser neuen Situation zu finden, und zwar allein für sich selbst. Das Hauptaugenmerk kann nicht mehr sein, anderen zu "helfen", sondern das Leben hat eine andere Lehre in Vorbereitung. Man steht zum ersten Mal da, wo man eigentlich schon immer stand, es aber aus Verkennung der wirklichen Relationen nicht merkte: Man steht bei sich selbst und für sich selbst. Theorie und schöne Ideen entpuppen sich als wertlos. Auch die "Freunde" und Gesinnungsgenossen, all diese Bezugspersonen, mit denen man sich in Einklang zu bringen versuchte und an denen man sich mehr oder weniger orientierte (und ohne deren Zustimmung man sich schwach und hilflos fühlte, auch wenn man sich das niemals eingestehen wollte), geraten in den Hintergrund — wenn sie sich nicht sogar als Gegner und Hindernisse erweisen. Es geht hier nicht mehr um intellektuelle "Erkenntnisse", nicht mehr um "Zustimmung", sondern was zählt, ist allein die eigene Praxis, die ganz konkrete Anwendung des eigenen Verständnisses, also: das ganz direkte Tun und Umsetzen. Intellektualität rächt sich nun, denn sie hindert am Notwendigen. Das merkt man aber erst jetzt, und es ist eine gute und äußerst lehrreiche Erfahrung. Man lernt still zu sein; man wird bescheidener, kleiner, nüchterner. |
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