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Gerd-Lothar Reschke:
Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere.
Logbuch 3.2006 – 12.2006


Engelsdorfer Verlag,
606 Seiten, 28,00 Euro,
ISBN 978-3-86703-016-8

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Scheinaufschwung und die tägliche Dosis Propaganda

Mein Interesse und meine Bereitschaft, das gegenwärtige Wirtschafts- und/oder Kulturleben zu kommentieren, hat rapide abgenommen, einfach weil ich wenig Lust verspüre, mich ständig mit Dingen zu beschäftigen, die so gut wie ausschließlich auf Lügen basieren. Leute, die keine Ahnung haben und die gegen die von mir in den letzten Beiträgen leichtverständlich erläuterten Hintergründe und Zusammenhänge resistent sind, werden in diesen Tagen wohl zu der Überzeugung kommen, die Wirtschaftskrise sei weitgehend überwunden und der nächste Aufschwung stünde bevor. Der Crash, über den von mir und anderen schon viel geschrieben worden ist, wäre ja wohl ausgeblieben. Dieser Meinung kann man natürlich auch nur dann sein, wenn man entweder gar nicht gelesen hat, was ich geschrieben habe, oder wenn man sich hartnäckig geweigert hat, darüber auch nur für wenige Sekunden nachzudenken. Eins und eins bleibt eigentlich immer noch zwei, aber auch das kann man ableugnen und behaupten, es sei einfach zu negativ und würde einen zu sehr frustrieren, und außerdem zeige doch die tägliche Wirklichkeit, daß eins und eins eben nicht zwei, sondern fünfundzwanzig sei und in näherer Zukunft, da der "Aufschwung" ja nun wieder auf breiter Front Fuß fasse, dreihundertsiebenundfünfzig.

Der Scheinaufschwung ist im Grunde die perfekte Illustration der Aufblähung der Geldmenge durch immer mehr beschleunigte Verschuldung. Wie sagt heute sogar der Propagandakanal Tagesschau unter der Überschrift "Einfach zu viel Liquidität!": "Zur Begründung, warum die Aktienmärkte trotz dieser negativen Neuigkeiten weiter steigen, verweisen Marktbeobachter auf die expansive Geldpolitik der Notenbanken. Weltweit haben die Zentralbanker ihre Schleusen geöffnet und massiv Geld in die Märkte gepumpt. Die momentane Hausse scheint daher vor allem liquiditätsgetrieben." Und so mögen die Aktienmärkte weiter boomen und die Propagandisten dem Volk weiter ihre Botschaft vom allgemeinen Aufschwung ins Hirn dröhnen. Selbstverständlich geht es den Banken auch wieder besser, vor allem den systemrelevanten.

Eine derartige Vortäuschung falscher Tatsachen kann sogar noch einige Jahre weiterlaufen. Am zugrundeliegenden Zusammenhang ändert das natürlich nicht das geringste, denn all die umlaufenden Gelder sind nicht nur nicht wertgedeckt, sondern immer noch weniger wertgedeckt als zuvor. In der "Flasche Wein" befindet sich dann nicht mehr 1% Wein und 99% Wasser, sondern nur noch 0,1% Wein, und schließlich überhaupt keiner mehr. D.h. irgendwann, früher oder später, ist das Geld eben völlig wertlos, und das wird sich dann genauso wenig vertuschen lassen wie die Tatsache, daß eins und eins doch "nur" zwei ist. Und bestimmte Kreise (darauf bin ich auch schon hinreichend eingegangen) werden die erkaufte zusätzliche Zeit nutzen und während der jetzt akut laufenden Umverteilung weiterhin fleißig ihre Taschen füllen und ihren Reichtum rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Realitätsleugner wollen von alledem nichts wissen, und das wird sich auch nicht ändern. Das Lügen nimmt sogar immer noch mehr zu, und mit ihm die allgemeine Leichtgläubigkeit und Einfältigkeit. Für mein Empfinden wird in Deutschland, was offizielle Politik betrifft, ohnehin nur noch gelogen. Eigentlich könnte man sich wundern, weshalb die Bevölkerung das widerstandslos hinnimmt. Aber es ist immer dasselbe Prinzip: Fängt man erst einmal an, sich an Lügen zu gewöhnen, dann ist alles möglich. Dann kann man auch Krieg führen, obwohl es eigentlich per Gesetz streng verboten ist; man kann Zensur einführen, obwohl Zensur laut Grundgesetz in Deutschland "nicht stattfindet"; ebenso kann man den Bundeshaushalt gründlich und für alle Zukunft ruinieren, obwohl das ebenfalls untersagt ist; eigentlich kann man dann alles wieder machen, so wie es in früheren geschichtlichen Phasen hier schon vorgekommen ist. Auch die Propaganda wird dann zu etwas Alltäglichem und Normalen — und so ist es auch jetzt schon. Und machen kann man dagegen auch nichts mehr, weil sich ein derartiges Regime zwangsläufig absichert und sich immer mehr verfestigt, während das Volk einer pausenlosen Gehirnwäsche ausgesetzt wird.

Also kann man nur auf den Zusammenbruch dieses ganzen Konstruktes warten. Wieviel Zeit bis dahin noch vergehen wird, läßt sich nicht vorhersagen. Eigentlich ist das Ganze dann nur noch langweilig. Erst ganz zum Schluß, wenn das Lügensystem kollabiert, wird es wieder interessant werden. Bis dahin gibt es einfach nur mehr von derselben Propaganda und mehr von denselben Lügen ("Aufschwung", "mehr Demokratie", "Reformen"). Arbeitslosenzahlen, Inflationsrate, Bankenbilanzen: alles gefälscht und geschönt. Und die Systemmedien streuen es kritiklos unters Volk. Wer Jahrzehnte in der DDR gelebt hat, wird das alles schon kennen. Eine schrecklich öde und dröge Phase ist das.

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