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Gerd-Lothar Reschke:
Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere.
Logbuch 3.2006 – 12.2006


Engelsdorfer Verlag,
606 Seiten, 28,00 Euro,
ISBN 978-3-86703-016-8

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Der Falschgeldbetrug 4 – Warum ungedecktes Geld zu einer falschen Art von Wirtschaftswachstum führt

Die zwangsläufige Krise des Systems ungedeckten Geldes superleicht verständlich erklärt

Ich werde jetzt versuchen, einen wirtschaftlichen Zusammenhang, den die allermeisten nicht verstehen und von dem der Anschein erweckt wird, daß dies nur ökonomischen Experten der höchsten akademischen Klasse vorbehalten sei, so leichtverständlich beschreiben, daß ihn jeder, der den folgenden Text aufmerksam liest, ganz gewiß verstehen kann. Was umso mehr nottut, als das Wissen um derartige Sachverhalte gezielt vor dem normalen Bürger verborgen gehalten wird, damit man diesen umso leichter aufs Kreuz legen und ausnutzen kann.

Es geht nochmal ganz direkt um das Wesen von Falschgeld. Falschgeld ist ungedecktes bzw. nicht wertgedecktes Geld. Genau um dieses Geld handelt es sich aber bei unserem gegenwärtigen Papiergeld — nur daß die allermeisten Menschen das nicht wissen, auch, weil man sie nicht darüber informiert. Ich habe bereits in den vorhergehenden Falschgeld-Beiträgen (Falschgeldbetrug 1, Falschgeldbetrug 2 und Falschgeldbetrug 3, deren Lektüre ich als erstes dringend empfehle) erläutert, mit welchen Tricks Falschgeld erzeugt wird. In diesem Beitrag soll die wichtige Frage geklärt werden, was Falschgeld mit Wachstum — insbesondere dem so hochgelobten und von Politikern stets als oberstes Ziel genannten Wirtschaftswachstum — zu tun hat und warum beides so sehr miteinander zusammenhängt. Insbesondere soll es um ein Hauptargument der Befürworter des Fiatgeldes (also des ungedeckten Kreditgeldes) gehen, nämlich um die angebliche Förderung von Wohlstand durch eine florierende Wirtschaft mit hoher Konsumnachfrage und hoher Produktivität. Gerade linke Politiker sehen hierin einen der Hauptpfeiler einer erfolgreichen Wirtschafts- und Finanzpolitik, Stichwort "Konjunkturprogramme zur Ankurbelung der Wirtschaft" im Gefolge der Theorien von John Maynard Keynes. Eine nicht unähnlicher Ansatz prägt die utopische Freiwirtschaftslehre nach Silvio Gesell, die Schwundgeld und Zinsverbot als Allheilmittel predigt. Das "Wunder von Wörgl" als bisher einziges konkretes, aber abgebrochenes Modell zeigte ebenfalls diesen Effekt der anfänglichen, künstlichen Stimulierung durch Papiergeld ohne Deckung.

Ungedecktes Geld und seine Auswirkungen

Aber fangen wir so einfach wie möglich an, ganz wie oben versprochen. Stellen wir uns eine übersichtliche Gruppe von Dienstleistern und Konsumenten vor, etwa 30. Geld als Tauschmittel hat hier die Funktion, Werte transferierbar zu machen. D.h. anstelle von Naturalien (direkter Güteraustausch, z.B. Brot gegen Kleidung) wird mit Geld bezahlt. Nehmen wir weiter an, dieses Geld sei voll wertgedeckt. So entspräche z.B. eine 20-Euro-Note einer bestimmten Menge Lebensmittel, Kleidung bzw. einer bestimmten Dienstleistung als Arbeit. Normalerweise kursiert dann eine bestimmte Menge Geldes (Geldmenge, der Begriff ist wichtig) in Höhe der erbrachten oder vorhandenen Werte. Das ist der Fall, von dem der Durchschnittsbürger annimmt, er sei heutzutage gegeben. Durch die Falschgeldtricks Schuldbeleihung, Zukunftsbeleihung, Mehrfachbeleihung und Zinseszins (siehe bisherige Beiträge zum Thema, speziell Falschgeldbetrug 1) kommt weiteres Geld in Form von Papiergeldscheinen hinzu. Was ist nun die Wirkung dieses neu hinzugekommenen ungedeckten Geldes?

Wir stellen uns nochmal obige Gruppe von 30 Leuten vor. Einer von ihnen hat plötzlich mehr Geld, sagen wir einen 100-Euro-Schein. Was passiert jetzt? Er kann damit einkaufen. Er geht zum Schneider und läßt sich einen Anzug anfertigen. Der Schneider freut sich über den neuen Auftrag, der ihm zusätzliches Einkommen und damit Wohlstand garantiert. Er erbringt seine Leistung und erhält dafür den 100-Euro-Schein. Mit diesem kann er auch bei den anderen Mitgliedern der Gruppe einkaufen. Auch diese freuen sich über das Mehr an Aufträgen bzw. Konsum und den dadurch vergrößerten Wohlstand.

Hat nun der 100-Euro-Schein tatsächlich mehr Wohlstand geschaffen? Natürlich nur scheinbar, aber nicht nachhaltig. Denn in Wahrheit handelt es sich bloß um ungedecktes Falschgeld — es ist ja einfach nur ein Stück bedrucktes Papier! "Aber dieses Papier ist doch etwas wert, sonst würde es ja nicht akzeptiert!" So argumentiert der heutige Durchschnittsbürger, so argumentiert der linke Politiker keynesianischer Prägung und so argumentiert der Freiwirt nach Gesell. Sie nennen das "Ankurbelung der Wirtschaft". Aber verstehen Sie jetzt, was hier nicht stimmt?

Warum die Preise ständig steigen

Wir sollten uns aber noch näher anschauen, was in unserem Beispiel genau passiert. Warum funktioniert das Einspeisen ungedeckten Geldes in den Wirtschaftskreislauf? Was genau passiert bei der scheinbaren Verbesserung des Wohlstands aller Beteiligten? Es ist wichtig, das zu verstehen, denn wer dieses einfache Beispiel einmal begriffen hat, der durchschaut auch schlagartig, was bei unserer heutigen Wirtschaftsentwicklung passiert und wer da der Nutznießer ist, und wer die Betrogenen. Die Werte in unserem Kreis von 30 Leuten sind ja noch exakt dieselben, wenn die 100 Euro hinzukommen. Denn für die 100 Euro ist nicht gearbeitet worden (daher sind sie: ungedeckt).

De facto passiert nichts anderes als eine Verwässerung des Geldwertes durch Erhöhung der Geldmenge. Der Fachbegriff hierfür lautet Inflation. Je mehr ungedecktes Geld eingespeist wird, desto stärker steigt also die Inflation. Die 20 Euro, von denen oben gesprochen wurde, entsprechen dann nicht mehr dem ursprünglichen Gegenwart von 20 Euro, sondern beispielsweise nur noch 19 Euro. Kommt mehr ungedecktes Geld hinzu, sind die 19 Euro nur noch 18, 17, 16 Euro wert. Und so geht das immer weiter, denn fängt man erst einmal mit dem Schwindel an, fällt es unglaublich schwer, ihn zu stoppen.

Man müßte ja nachträglich noch freiwillig Werte quasi "umsonst" in den Kreislauf einspeisen, um den Geldwert wieder zu erhöhen. Und das fällt eben aus vielerlei Gründen (wovon der naheliegendste einfach die bekannte menschliche Schwäche ist) unendlich schwer. Erst recht fällt es Regierungen schwer, die mit vollen Händen Geld ausgeben, um vielerlei nötige oder unnötige Bedürfnisse zu erfüllen. (Politiker haben immer zu wenig Geld im Haushalt, und da sie es nicht selbst verdienen müssen, geben sie es besonders gerne und schnell aus — stehen sie doch dann auch noch als Wohltäter des Gemeinwesens da.)

Die Anbieter von Waren und Dienstleistungen wiederum müssen, um den früheren Gegenwert ihrer Arbeit zu erhalten, schrittweise ihre Preise erhöhen. Wenn sie das im richtigen Tempo tun, schaffen sie es vielleicht, am Ende gleichwertig bezahlt zu werden. Aber auch hier klappt der schon im Beitrag Falschgeldbetrug 2 – Vorgebliche und tatsächliche Inflation beschriebene Ablenkungstrick mit der Änderung des Bezugspunktes auf besonders raffinierte Weise. (Alle Zaubertricks funktionieren stets nach diesem Prinzip: das Augenmerk der Zuschauer auf etwas Nebensächliches zu lenken und währenddessen die eigentliche Manipulation, völlig unbemerkt, vorzunehmen.) Man macht den Bürgern weis, Inflation sei gleichbedeutend mit "steigenden Preisen" (wie auch der Chef des FED, Ben Shalom Bernanke, oft und gerne zu behaupten pflegt). Und tatsächlich: die Preise steigen ja auch kontinuierlich. Aber wer hinten an den Hebeln dreht, merkt die desinformierte Menge nicht. Der Zug, in dem wir sitzen, steht immer noch im Bahnhof; der Zug auf dem Nachbargleis ist soeben abgefahren.

Die Erhöhung der Geldmenge durch Einspeisen ungedeckten Geldes bedeutet in Wahrheit nichts anderes als ein Betrug an der Gemeinschaft. Mit den 100 Euro betrügt derjenige, der sie einbringt, die 30 anderen aus seiner Gruppe. Aber eines zu verstehen ist hier nun ganz besonders wichtig: Es merkt ja keiner! Der Schwindel geschieht hinterrücks. Die Übervorteilung ist so subtil, daß man den Betrug schon fast genial nennen könnte.

Umso mehr, als man den Leuten die Übervorteilung noch als angeblichen Nutzen anzudrehen vermag, nämlich nach obigem Argumentationsschema als scheinbares Plädoyer für "allgemeinen Wohlstand durch florierenden Handel und Konsum", bei dem angeblich "alle" profitieren!

Erst wenn man diese Zusammenhänge erkennt, versteht man auch, wie raffiniert derjenige oder diejenigen sein mußten, die sich dieses teuflische System der Geldwirtschaft ausgeheckt haben. (Was unser heute gültiges Geldsystem betrifft, so geschah dessen wahrlich heimtückische Konzeption mit der Gründung des Federal Reserve System (FED) ab dem Jahr 1910 und der Übertölpelung des US-Parlaments im Jahre 1913, als der Trick offiziell legalisiert wurde. Siehe: Die Geldkrake — Näheres zu ihrem Zweck und Hintergrund.)

Die falsche Art von Wirtschaftswachstum

Die Wirkung der Hereinnahme ungedeckten Geldes ist: ein Schuldendruck. Das Geld will, sollte, müßte gedeckt werden. Es ist wie mit aller Schuld: Wenn man sich verschuldet, setzt man sich unter einen ständigen Druck. Man beginnt der Zeit hinterherzulaufen. Wenn man z.B. krank werden würde, könnte man die versprochene Leistung nicht erarbeiten und würde im schlimmsten Fall bankrott gehen. Übertragen wir nun diesen Schuldendruck auf die Wirtschaft eines ganzen Staates (und das ist legitim, denn dort herrscht genau dasselbe Prinzip, wie ich es soeben beschrieben habe), so beginnt diese Wirtschaft sich selbst und ihren eigenen Verpflichtungen hinterherzuhecheln. Und da der Zinseszins, einfach durch allmähliches und unaufhaltsames Verstreichen der Zeit, die Schuldensumme stetig und nach völlig automatischer Rechenlogik erhöht, und nicht nur erhöht, sondern exponentiell anwachsend erhöht — und diese Exponentialfunktion (Bild) ist unerbittlich wie eine sich zuschnürende Schlinge um den Hals der Schuldner! —, wird die Situation immer prekärer. Haben die Schulden, also die Menge des ungedeckten Kreditgeldes, ein bestimmtes Maß überschritten, so können sie nie und nimmer mehr zurückgezahlt werden. Und dann ist die Situation nicht nur prekär, sondern aussichtslos.

Aber noch ist das ja nicht herausgekommen, denn die Wirtschaft und das Finanzsystem flicken und basteln noch weiter vor sich hin und erzeugen einfach immer noch mehr ungedecktes Papiergeld — so daß scheinbar immer noch weiter bezahlt und das System am Laufen gehalten werden kann. Dann müssen einfach immer noch mehr die Steuern erhöht, diejenigen, die wirklich produktive Arbeitsleistungen erbringen (wie etwa der Mittelstand), geschröpft und sämtliche einfachen Leute immer noch mehr zum Arbeiten angetrieben werden, bis dieser ganze Apparat in einen verzweifelten, rasenden Galopp verfällt und nur noch von Tag zu Tag vorwärtsstürmt und sich dabei notdürftig aufrechterhält. Aber die Panik, die hinter alledem lauert, wird mehr und mehr spürbar und beginnt die Kultur und den Seelenfrieden der Menschen zu vergiften. Die Politiker wiederum müssen, da sie ihr Amt nicht verlieren wollen, immer mehr lügen, müssen gemeinsam mit den Medien, die ja ebenfalls vital in dieses System eingebunden sind, eine immer umfassendere Propaganda- und Ablenkungskampagne inszenieren, nur damit nicht herauskommt, woran es hinter den Kulissen wirklich hapert.

Genau das ist also letztlich die Wirkung des Falschgeldes, also des Geldes, wie wir es heute leider haben: Es wird eine unterschwellige Panik erzeugt, und das ganze Gemeinwesen wird Opfer seiner eigenen Gier und seines Selbstbetrugs — und seiner Dummheit und Naivität, auf ausgekochte und raffinierte Trickbetrüger, nämlich die Großfinanziers, die hinter dem Bankensystem stehen, hereingefallen zu sein. Denn genau wie derjenige, der sich in unserem obigen Beispiel mit den 100 Euro etwas hat kaufen können, das ihm noch gar nicht zustand und für das er nichts Reales geleistet hat, verpraßt man sein unverdientes Kreditgeld und suggeriert sich damit einen Reichtum und Wohlstand, der in Wirklichkeit nur auf Lug und Trug basiert. Auf Dauer kann das natürlich nicht gutgehen, und es wird auch nicht gutgehen.

Woher die weitverbreitete Unwissenheit über das alles?

Warum sind diese einfachen und im Grunde auch für den Laien völlig durchschaubaren Zusammenhänge nicht allgemein bekannt? Und stellt sich diese Frage nicht umso dringlicher, wo doch offenbar das gesamte Wohlergehen unserer Zivilisation von diesem Verständnis abhängt bzw. durch dessen Verheimlichung im höchsten Maße gefährdet ist? Der Fehler liegt darin, das Selberdenken aus Bequemlichkeit und Gutgläubigkeit zu vernachlässigen und sich stattdessen auf Politiker und angebliche "Experten" zu verlassen, die von sich behaupten, das alles viel besser zu verstehen.

Dazu folgende aufschlußreiche Textpassage aus Goethes Gesprächen mit Eckermann:

Goethe und Eckermann unterhalten sich über Fortschritt und Stagnation in Forschung und Aufklärung. Eckermann bringt das Gespräch auf Professoren, die immer noch überholte Lehren vortragen, obwohl diese längst durch Forschungsergebnisse widerlegt wurden.

"Das ist nicht zu verwundern", sagt Goethe. "Solche Leute gehen im Irrtum fort, weil sie ihm ihre Existenz verdanken; sie müßten umlernen, und das wäre eine sehr unangenehme Sache."

"Aber", sagt Eckermann, "wie können ihre Erkenntnisse die Wahrheit beweisen, da der Grund ihrer Lehre falsch ist?"

"Sie beweisen die Wahrheit nicht", sagt Goethe, "und das ist auch keineswegs ihre Absicht, sondern es liegt ihnen bloß daran, ihre Meinung zu beweisen. Deshalb verbergen sie auch alle solche Experimente, wodurch die Wahrheit an den Tag kommen und die Unhaltbarkeit ihrer Lehre sich darlegen könnte."

Goethe fährt fort: "Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht nur vom Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten."

Linkempfehlungen

Die Geldgeschichte ist reich an Beispielen, wie sich Fiatwährungen letzten Endes auswirken. Das erste „richtige“ Papiergeldexperiment wurde um 1718 in Frankreich durch John Law ins Leben gerufen.

  • John Law und das Mississippi-Projekt, zeitenwende.ch/boerse.de, 4.6.2001
  • John Law – Der reichste Mann der Welt, faz, 26.2.2004
  • Das erste Pyramidensystem der Geschichte…, firstclassmlm.com, 2008
    "Heute allerdings besitzt keine der international anerkannten Währungen (US-Dollar, Pfund, Yen, usw.) mehr eine Deckung durch gleich welches Produkt. Ihr Wert stützt sich auf „reinen Glauben“. Regierungen können „Geld aus dem Nichts erschaffen“, indem sie einfach mehr Geld drucken – und tun dies auch. Und Regierungen können ihre Währung beliebig abwerten – und auch das wird getan. Es gibt keinen Unterschied zu dem berühmten Finanzbetrug, von dem Sie gerade gelesen haben."

Jede künstliche Blase (aus ungedecktem Fiat-Geld) platzt früher oder später. Die jetzige Blase ist die größte der Menschheitsgeschichte, und ihr Platzen wird ganze Kulturen mit sich reißen:

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