Die Entidentifikation vom Lügenstaat
Es gab hier in letzter Zeit nichts Neues zu schreiben. Die von mir früher beschriebenen Entwicklungen gehen genau den vorausgesagten Gang. Hat man erst einmal den grundlegenden Mechanismus unseres Papier- bzw. staatlichen Falschgeldsystems verstanden, läßt sich das weitere leicht überschauen. Das einzig wirklich Frappante ist höchstens noch die Weigerung von immer noch über 99% der Bevölkerung, diesen Mechanismus — der doch eigentlich in einer derart gelddominierten Gesellschaft das Interessanteste und Relevanteste sein müßte! — überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn sich näher damit auseinanderzusetzen.
Was sich für mich in den letzten Monaten hauptsächlich abgespielt hat, war eine tiefgreifende Entidentifikation von diesem aktuellen Lügenstaat, in dem wir angelangt sind. Es handelt sich dabei um einen sehr persönlichen Prozeß, der bis tief in körperliche Ebenen hineinreicht und sich auf vielerlei Weisen äußert. Fast wie eine Krankheit! Zwar hatte ich — sozusagen als "Erbe der 68er Generation" — mich selbst schon immer als dem Staat und der Regierung "kritisch-distanziert" gegenüberstehend eingeschätzt. Aber das war etwas grundlegend anderes gewesen. Dieses kritische (also, dem Wortsinn nach: unterscheidende) Denken hatte immer die Reformmöglichkeit einer Demokratie im Sinn und sah Hoffnung am Horizont. Das hat sich jetzt komplett geändert.
Ein Beispiel: Im Schulbuch meiner 12-jährigen Tochter fand ich zufällig die Formulierung "... der Staat, also wir alle ...". So wird das den Kindern doch anerzogen. Ja, genau, man wird so konditioniert und vorprogrammiert. Selbst wenn man kritisch ist, wirkt immer noch diese Erziehung nach. Der Staat sind einfach wir alle, alle Deutschen, alle Bürger des Landes, ob wir wollen oder nicht. Man wird da hineingeboren. Diesmal aber, als ich die Formulierung las, war meine erste Reaktion: "Da gehöre ich ganz sicher nicht mehr dazu!" Nicht zu dieser Art Staat, nicht zum gegenwärtigen Lügen- und Betrugssystem, das seine Bürger tagtäglich konsequent für dumm zu verkaufen versucht. Der Staat, das bin nicht ich und das sind nicht meine Mitbürger, sondern das ist eine Obrigkeit, die sich längst verselbständigt hat, das ist ein Geldadel, der rücksichtslos seine eigenen Ziele auf Kosten der Steuerzahler durchsetzt, das sind korrupte und verlogene Politiker, die tagtäglich ihren Eid, den sie auf das Grundgesetz abgelegt haben ("... Nutzen mehren, Schaden ... abwenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, ... Pflichten gewissenhaft erfüllen ..." usw.), verletzen und auf kriminelle Weise mit Füßen treten. Und "kritische Distanz" hilft dagegen leider auch nicht mehr, weil der Bezugspunkt fehlt, nämlich ein breiter, unausgesprochener, von allen Bürgern gefühlter Konsens, daß Rechtstaatlichkeit und Menschenwürde der oberste Wert seien und man sich darauf im öffentlichen Diskurs als eine Selbstverständlichkeit berufen könnte.
Wenn die Schafherde noch schläft, während sie zur Schlachtbank gekarrt wird, besteht die Hauptreaktion auf das Beim-Namen-Nennen der wahren Situation leider aus unwilligem Beharren, aus ärgerlichem Zurückfauchen, man wolle nicht gestört werden. Bei solch einem Staat bleibt einem nur, sich möglichst schnell klarzumachen, wie man die eigene, und nur die eigene Haut (und die seiner allernächsten Angehörigen) retten kann.
Der allererste Schritt ist, wie gesagt, selbst aus der lebenslangen Konditionierung vom angeblich immer demokratischen und rechtsstaatlichen Deutschland loszukommen, loszukommen auch bis in die eigenen Eingeweide hinein. Radikale Umorientierung tut not.
Mir fällt in diesen Tagen etwas ganz Neues auf: Gerade da, wo die Verblödung der Gesellschaft scheinbar allumfassend geworden ist, und gerade da, wo sie einen zwingt, sich auf die eigene Lage zu besinnen, entsteht erst eine Chance zu echter Unabhängigkeit — die diese "kritische Distanz" eben nie war! Man ist erst frei, wenn man von diesem Schielen auf den Staat freigeworden ist und wenn man ganz alleine steht. Wenn man nicht mehr gutgläubig zuliefern will, seine besten Absichten dort investiert und immer glaubt, das würde am Ende alles besser, und immer noch besser (so wie es das Wort "Reform", das am meisten geschundene und mißbrauchte und am Ende in sein pures Gegenteil pervertierte, suggerieren sollte). In demselben Moment steht man nämlich für einen echten Wert ein, nicht für eine Idee, ein Ideal, ein gesellschaftliches oder kulturelles Konzept und eine Hoffnung.
Dieser echte Wert ist das eigene Wahrheitsempfinden, das nicht auf einen Staat schaut, sondern selbst weiß, was stimmt und was nicht stimmt. Es kann auch allein stehen, wenn Millionen anders denken, und selbst wenn der Lügenstaat zu seiner Katharis gelangt, dem Kollaps und der Zerstörung. Gerade dann steht es wie ein Licht in der Dunkelheit. Und fühlt auf einmal eine ganz neue Verantwortlichkeit, und sogar eine Würde, eine Stärke, in gewissem Sinne auch eine Schönheit und tiefe Harmonie. Denn es weiß um die Tatsache seiner Bedeutung. Gerade weil es soviel Verblendung und Verblödung gibt, ist die Aufgabe dessen, der davon unvergiftet bleibt und sich auch nicht durch falsche Hoffnungen ablenken läßt, umso wertvoller. Und die Verbindung zu all jenen, die ebenfalls für ebendiese Werte einstehen, wird erst zu dem werden, was sie sein soll. So fällt dann alles an den richtigen Platz. Wenn einmal ein neuer, ehrlicherer und gerechterer, freierer Staat entstehen wird, der das alte Bankrottsystem ablösen wird und ablösen muß, und der wieder Herz haben wird und für den sich Menschen wieder gerne und mit Freude einsetzen werden, dann wird er auf genau solch einer Grundlage und in einem solchen Geist entstehen. Aus dem Mut heraus, wenn nötig auch alleine, und wäre man auch der allereinzige Mensch, für das Richtige einzustehen.
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