Die schamanische Perspektive
Es wurde hier einiges über das erschütternde Ausmaß von Lügen und Schwindeleien geschrieben, das zur Zeit in Deutschland und auf den meisten anderen Teilen des Planeten grassiert. Wir leben in einer Epoche zunehmenden Betrugs. Und solange eines der entscheidenden Fundamente dieses Betrugs, das System ungedeckten halbstaatlichen Falschgeldes, nicht restlos verschwunden ist, wird dieser Betrug nicht nur eskalieren, sondern strebt unaufhaltsam auf eine tiefgreifende Katharsis zu. Es wurde auch darüber geschrieben, wie man es schafft, sich davon innerlich abzugrenzen und wie man am besten mit der scheinbar hoffnungslosen Lage umgeht.
Ich möchte jetzt hier den Ansatz der schamanischen Perspektive mit hereinbringen und näher erläutern. (Wer meine Texte kennt, weiß, daß ich weder mit irgendeiner Ideologie oder Tradition von "Schamanismus" noch mit irgendwelchen exotischen, importierten Zirkusschamanen zu tun habe, sondern stets auf den Kern des eigentlichen Schamanentums abziele, der frei von Zeit, Raum und Kultur ist. Deshalb möchte ich mich nun auch nicht mehr näher mit möglichen Mißverständnissen aufhalten. Wer näheres wissen will, möge erst hier weiterlesen.)
Zuerst einmal hat die schamanische Perspektive den Mut, die tatsächliche Lage genau so zu sehen, wie sie ist. Sie beschönigt nichts, und sie verdrängt nichts. Das zu verstehen ist sehr wichtig! Denn nur wer ganz in die Wahrheit eintaucht, statt vor ihr zurückzuscheuen, kann überhaupt erst wahrhaftig auf sie eingehen. Das wird gerade in unserer heutigen Kultur schnell vergessen (deren Zeitgeist viel mit falscher Kulisse und mit Angst vor der Wahrheit, Verleugnung der Wahrheit und intellektuellem Zerreden und Anzweifeln der praktischen Möglichkeit von Wahrheit zu tun hat).
Was die sogenannte "Finanzkrise" betrifft (die wie schon erklärt natürlich eine profunde Krise des gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ist), so gibt es im Web schon etliche erhellende Informationen; es gibt scharfe Aufklärungseiten, vehemente und auch überaus berechtigte Kritik des Falschgeldsystems und der damit verwobenen Politikerkaste, aber wenn ich jetzt einmal die alltagsübliche Mentalität des heutigen Bürgers zugrundelege, so läuft es in der Reaktion immer auf eines hinaus: Frust, Verbitterung und allmählich anwachsender Haß. Genau hier haben wir das Dilemma des scharfen Hinsehens: Die einen stecken den Kopf in den Sand und betreiben Realitätsverleugnung; damit retten sie sich vordergründig noch ihre gute Stimmung. Die anderen schauen hin und bestrafen sich damit scheinbar nur selbst. Die Standardreaktion läuft nämlich genau darauf hinaus: Wer hinschaut und versteht, kann regelrecht verzweifeln.
Es gibt hierzu einen weisen Spruch: Unterscheide genau zwischen dem, was du beeinflussen kannst und dem, was du nicht beeinflussen bzw. ändern kannst. Das Gebaren der Politiker kann keiner ändern. Auch das Dröhnen der Propagandamedien wird keiner von uns beeinflussen können. Wir können auch den Krieg nicht abstellen, und wir können die Entscheidungen der Politiker bzw. Finanzen und Wirtschaft nicht beeinflussen. Genau das suggieren sich aber sehr viele! Man müsse nur immer lauter protestieren, müsse sich zusammentun und "Druck ausüben". Die Leute haben immer noch eine alte, naive Vorstellung von Demokratie, bei der die Vielen zusammen durch ihre "Wahlentscheidung" über das Tun und Lassen der Regierenden bestimmen könnten. Aber wir sehen doch gerade, daß genau das nicht klappt. Wurde nicht in den USA ein hoffnungsvoller Neuanfang, ein historisch einschneidender "Change" gewählt — und was haben sie nun? Noch mehr Krieg, noch mehr Verschuldung, noch mehr Ohnmacht und Ernüchterung.
Die solcherart Hoffenden sind auch dieselben, die resignieren und in völliger Desillusionierung enden. Sie werden zu verbitterten Zynikern. Das ist die Alltagssicht, und ihre Reaktion ist zwangsläufig. Man kann sie mit einem einzigen Wort auf den Punkt bringen: negativ. Alles wird negativ: zuerst die Beobachtungen, dann die Analysen, dann die Schlußfolgerungen, dann die eigene Stimmung, dann die ganze eigene Lebensauffassung. Bis am Ende die gesamte Weltsicht dieser Menschen negativ eingefärbt ist. Die Weichherzigen von ihnen werden dann krank, weil sich die Negativität als Depression gegen sie selbst richtet, und die Harten werden grausam, vielleicht sogar sadistisch. Letztere suchen, bewußt oder unbewußt, nur noch ein Ventil, einen Anlaß, um den anwachsenden Druck nach außen zu bringen. Nach der inhärenten Psycho-Logik dieses Denkens müssen Opfer gesucht werden, die man bestrafen kann. Eine Projektionsfläche muß her. Solche Menschen merken nicht, daß alles in ihnen selbst ist und daß es ihre eigene Negativität ist, mit der sie ständig zu tun haben.
Sich beschweren, sich beklagen, eine lamentierende, ständig nörgelnde, unzufriedene Art anzunehmen, immer mehr empört zu sein, regelrecht auf die Suche nach den nächsten falschen Entscheidungen der Herrschenden zu gehen, sich damit stunden- und tagelang zu beschäftigen und es immer wieder innerlich aufzuarbeiten, es vielleicht sogar wissenschaftlich-intellektuell in allen Feinheiten zu analysieren: all das bewirkt eine zunehmende Lähmung, eine Kraft- und Mutlosigkeit, die den Betreffenden immer mehr zu einem hilflosen Opfer macht, zu einem regelrecht von der Krise Hypnotisierten, der kaum noch Zeit und Raum für Freundlichkeit, Zärtlichkeit und für die immer noch unverändert vorhandene Schönheit der Natur aufzubringen vermag.
Die schamanische Perspektive ist das genaue Gegenteil des zuletzt beschriebenen Mechanismus: sie ist nicht zwanghaft, sondern kreativ, und sie ist nicht negativ, sondern positiv. Sie übernimmt selbst die Verantwortung für die inneren Turbulenzen, die durch das Gewahrwerden der existentiellen, alle Mitmenschen betreffenden Systemkrise verursacht werden. Sie weiß: die Entmutigung, die Frustration, der Haß, alles das ist nur ein Nichtwissen, ist ein Fehlen der richtigen Antwort. Was ist der Schlüssel, was ist die Lösung des Problems? Nun, ich kann das, was ich nicht beeinflussen kann, nun mal eben nicht beeinflussen — da hilft alles nichts, und gegen eine verschlossene Tür zu rennen nützt auch nichts, sondern ich hole mir nur blaue Flecken. Gibt es denn etwas, was ich beeinflussen, was ich tun kann?
Das allerwichtigste: Nichts und niemand nötigt mich, negativ zu werden. Es ist hier und jetzt möglich, die Negativität zu verabschieden, indem ich mir klarmache, was mit mir passiert und wie schädlich das alltagsübliche Gejammer und Gezeter ist. Es ist möglich, sich von der grassierenden Negativität nicht anstecken zu lassen und nicht in sie einzustimmen. Das ist der erste große Schritt. Der zweite ist, die Dinge in Angriff zu nehmen, die ich bereits jetzt schon in Bezug auf die Systemkrise tun und ändern kann. Da gibt es bestimmte praktische Vorkehrungen: Erweiterung der beruflichen Kompetenz, materielle, gesundheitliche und persönlich-private Absicherung, Krisenvorsorge. Sowie mit den Menschen, die für eine Aufklärung der Hintergründe zugänglich sind, zu sprechen und sich überall da, wo es sinnvoll ist, konstruktiv zu äußern. Dieselbe Energie, die in die Negativschleife fließen würde, kann auch in eine Positivreaktion fließen.
Ich rede damit nicht plumpem "Positivem Denken" das Wort. Nach meiner eingehenden Erfahrung ist dieser Ansatz viel zu eindimensional und funktioniert auf Dauer nicht. Man kann nicht alles Unangenehme wegdenken und sich nur auf Angenehmes fokussieren, und man sollte es auch nicht. Es kann sein, daß äußerlich alles noch viel, viel schlimmer wird: Armut, Hunger, Krieg, Gewalt, ja auch Krankheit und Tod sind möglich. Wichtig ist aber auch hier, in allen diesen Lebenslagen, immer noch, das Mögliche zu sehen und zu tun, und zu sich selbst und zu seiner Umwelt positiv zu stehen, jederzeit zur Problemlösung und zu liebevollem Umgang bereit zu bleiben. Das ist die innere Aufgabe, der sich der verantwortliche Mensch stellt.

|