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Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
Artikel 146, GG

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Gerd-Lothar Reschke:
Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere.
Logbuch 3.2006 – 12.2006


Engelsdorfer Verlag,
606 Seiten, 28,00 Euro,
ISBN 978-3-86703-016-8

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Den richtigen Zeitpunkt des Handelns finden

Auf eine Weise bin ich Walter K. Eichelburg für seine Währungsreform-Prognosen (auf die ich vor neun Tagen in einem RR-Beitrag bereits eingegangen bin) mittlerweile sogar dankbar. Ich habe nämlich die aktuelle Phase des Geldcrashs (den ich noch nicht in diesen Tagen, später aber umso sicherer erwarte) als Gelegenheit für eine "Trockenübung" in Krisenvorbereitung genommen. Und selten habe ich soviel gelernt wie in diesen letzten Tagen. Dazu gleich mehr.

Zuerst noch etwas zu den verschiedenen Reaktionen auf das Währungsreform-Gerücht, wie sie im Web anzutreffen waren. Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist der Frust, der etliche Leute befällt, wenn sie feststellen, daß so etwas nicht eintrifft, bzw. die umgekehrte Reaktion: fest an so etwas zu glauben. Beide Muster beschreiben exakt die Standardreaktion des konditionierten Durchschnittsbürgers: entweder er weigert sich, an etwas zu glauben, oder er glaubt fest daran. Die klassischen Beispiele für diese Art Beeinflußbarkeit finden sich in Weltanschauung und Religion. Ich habe mich schon immer gewundert, wie man so dumm und unreif sein kann, immer von der einen Extremreaktion in die andere zu fallen und dabei die eigentlich völlig naheliegende richtige Reaktion nicht sehen zu wollen.

Naheliegender wäre nämlich, derartige Prognosen oder Einschätzungen anderer erst einmal ganz neutral zu nehmen. Was ich nicht selbst überprüft habe, werde ich doch grundsätzlich nicht glauben! Ich werde vielmehr versuchen, mir ein eigenes Bild zu machen. Die Aussagen, die ich antreffe, kann ich dabei als Anregung nehmen. Insgesamt gesehen bin immer nur ich selbst es, der die Verantwortung trägt. Sollte sich jemand mit seiner Voraussage irren, so könnte ich ihn niemals dafür angreifen, denn es liegt doch auch nur an mir, wenn ich mich auf seine Aussagen verlasse. Nicht er ist verantwortlich — ich bin verantwortlich, und nur ich allein.

So habe ich auch die Freiheit, mich auf jede Art von Verrücktheit probehalber einzulassen. Wenn ich erlebe, was passiert, wenn ich mich darauf einlasse, finde ich zugleich selbst heraus, was für einen Sinn oder Nutzen das gehabt hat.

Durchschnittsmenschen machen sich stets zum Objekt von irgendwas und irgendwem: sie glauben an irgendwelche Weltanschauungen und Ideologien, sie folgen irgendwelchen Autoritäten, und sie lassen sich ständig von Interpretationen und Sichtweisen berieseln, die sie dann in sich hineinstopfen wie hungrige Schweine die Abfälle, die man ihnen in den Trog wirft. Entsprechend böse werden sie dann, wenn man sie damit hereingelegt und womöglich auch ganz vergiftet hat. Falls sich eine Aussage jedoch im nachhinein als zutreffend erwiesen hat, so erheben sie den, der sie getätigt hat, zum Heiligen und folgen von nun an allem, was er sagt.


Zurück zu unserem speziellen Fall, der Möglichkeit eines kurzfristigen Euro-Crashs bzw. eines rechtzeitig davor verkündeten Ausstiegs Deutschlands aus dem sinkenden Schiff Währungsunion. Jeder braucht irgendwann einen Arschtritt, um zu merken, daß er sofort handeln muß und nicht länger warten darf. Zwar habe ich schon vor mehr als einem Jahr intensive Vorbereitungen auf die kommende Krise getroffen, aber nun ist mir aufgefallen, daß diese nicht mit der nötigen Intensität und Konsequenz erfolgt waren. Ich nahm also das Gerücht als Anregung zu einer Art "Spiel". Ich machte gründlich Inventur und überprüfte, was noch alles zu tun und zu erledigen wäre. Dabei ergaben sich eine Reihe von wertvollen Aufschlüssen, die ich hier rekapitulieren möchte:

  • Es gibt den schönen Spruch: "Don't panic! — But if you panic, panic first!" Das mag vielleicht lustig klingen, aber es steckt noch eine ganze Menge an weiterem Hintersinn dahinter. Die wichtigste Erfahrung: Um rechtzeitig zu handeln, ist ein Vielfaches an Energie und Einfallsreichtum nötig, als wenn man zu den später Reagierenden gehört, ganz zu schweigen von denen, die unter weiterer Verzögerung erst mit der großen Masse reagieren. Mehrfach habe ich in diesen Tagen erlebt, wie ich zu spät gekommen bin — obwohl ich immer noch viel früher und direkter gehandelt habe als die allermeisten. Es gehört wirklich ein gerütteltes Maß an Geistesgegenwart, Entschlossenheit, Hingabe und Wille dazu, um rechtzeitig am richtigen Platz zu sein.
    Man darf auch nicht enttäuscht sein, wenn man einmal zu spät gekommen ist und vor verschlossenen Türen steht. Die beste Antwort darauf lautet, sich beim nächsten Mal besser vorzubereiten und den Mechanismus, nach dem sich Chancen eröffnen, im Vorfeld noch genauer zu studieren. Dazu sind Verständnis und Wissen genauso nötig wie die entsprechende charakterliche Disposition, eine Art gesunder Optimismus, der durch nichts zu erschüttern ist.
    Alles das muß man wahrscheinlich mehrmals ganz praktisch erlebt haben, um es richtig zu begreifen und dann auch in Zukunft die richtige Einstellung anzunehmen.
  • Es ist nun mal so: Die große Masse versteht überhaupt nichts. Die ist so einfältig und weggetreten, daß es eine große Stärke braucht, um sich dieser erschreckenden Tatsache überhaupt zu stellen und sie ohne Beschönigung geradewegs anzuschauen und mit ihr zu leben.
    Über das Thema habe ich schon mehrfach geschrieben. Für viele Leser mag es abstoßend und arrogant klingen, aber das sind eben genau die, die nicht einsehen wollen, daß sie sich aus eben dem Grund ärgern, weil sie selbst zur Masse gehören. Wer sich an der Majorität orientiert, wird niemals den richtigen Zeitpunkt zum Handeln finden, und er wird auch nicht die nötige Entschlossenheit aufbringen, von der oben die Rede war.
    Wenn man sich die Masse genauer anschauen will, geht man am besten in die Einkaufszone einer Großstadt und studiert das Verhalten der Konsumierenden. Das allermeiste, was sie kaufen, ist lächerlich nutzlos. Selbst unverdorbene Kinder wären nicht so infantil, sich mit einem derart absurden Krempel und Tand zu beladen. Man kann auch in eine der gängigen Zeitungen schauen — und es ist ganz egal, ob es sich dabei um dümmliche Massenblätter wie die "BILD" oder um dünkelhaft hochgestochene Intellektuellenblätter wie die "Süddeutsche" oder die "ZEIT" handelt: überall findet sich eine haarsträubende Ablenkung durch irgendwelche Banalitäten (der Busen der Schaupielerin X oder die ach so wichtige Kameraeinstellung in irgendeinem Film Y). Menschen, die in solchen Welten leben, können nie und nimmer adäquat handeln, sondern vegetieren nur noch in Traum und Hypnose. Sie sind zur bloßen Manövriermasse des herrschenden Systems verkommen.
  • Aus dem Teufelskreis des bloßen Reagierens entrinnen: Wer agiert und nicht reagiert, findet zu seiner Selbstachtung und seiner ursprünglichen Positivität zurück. Am Anfang mögen Frust und Wut stehen: Wer das Gebaren der maßgeblichen Politiker in unserem Land in letzter Zeit mitverfolgt hat und noch mit einem Rest an Gerechtigkeitsempfinden und Realitätssinn begabt ist, kann ja nur entsetzt und schockiert reagiert haben. Und doch muß man aus diesem Loch der Negativität herauskommen und aktiv Konsequenzen ziehen.
    Diese Konsequenzen müssen nicht perfekt sein, denn keiner kann alles im Detail vorhersehen — aber die bloße Tatsache, daß man anfängt, sich selbst zu helfen und das Mögliche sofort anzugehen, stößt eine positive innere Rückkopplung an. Es ist dann sogar möglich, mitten in der immer finster werdenden äußeren Lage einen freudigen Elan zu verspüren. Auf eine womöglich noch ungewohnte Weise betritt man Neuland und wird zum Pionier: nämlich sowohl innerlich, in Form von Mut und geistiger Selbständigkeit, als auch äußerlich, durch Erkunden neuer praktischer Wege und Lösungsmöglichkeiten. Das dadurch ausgelöste Selbstvertrauen ist etwas, auf dem sich dann tagtäglich aufbauen läßt. Und selbst wenn man für Phasen wieder in Resignation und Düsternis versinkt, kann man sich an den Unterschied erinnern und kann sich durch neue, konstruktive Aktion in eine bessere Stimmung versetzen.

Der Zeitpunkt des Handelns ist meiner Beobachtung nach jetzt gekommen. Selbst wenn es für manches schon zu spät ist: Es ist immer noch viel besser, nun das zu tun, was endlich getan werden muß, statt sich im allgemeinen Geplärr und Gejammer zu verlieren und zum hilflosen Spielball eines menschenverachtenden Systems zu werden.


Handlungs-Tips

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