Selbständigkeit und Anspruchshaltung
Sinnvoll ist, sich mit Leuten auszutauschen, die Leistungen erbringen, kreativ sind, ihr Leben selbständig gestalten und zu unabhängigem Denken imstande sind. Diese Leute werden sich für ihr Wohlergehen genauso wie für ihren Wohlstand selbst voll verantwortlich fühlen und danach auch ganz konkret leben. Unternehmer, Geschäftsleute, Investoren und Selbständige, ganz gleich ob in hochgezüchteten technisch-wissenschaftlichen Bereichen oder im einfachen Handwerk oder als Bauer tätig, werden immer an Chancen zur Verbesserung ihrer Gewinnaussichten und damit auch ihrer Lebensqualität (und der Lebensqualität ihrer Angehörigen) interessiert sein und dazu alle sich bietenden Gelegenheiten wahrnehmen und dankbar ergreifen.
Wenn Diskussionen stattfinden, dann unter diesem Aspekt. Nörgelei oder Schlechtreden von allem und jedem kann es da gar nicht geben. Man wird sich immer gegenseitig inspirieren. Man wird auch nicht geizig mit Tips und Hilfen sein, weil man die Erfahrung gemacht hat, daß Offenheit und Vertrauen alle zusammen weiterbringt, in der Regel aber auch immer einen selbst. Es bilden sich dann nämlich auch die optimalen Kontakte heraus, bei denen man gegenseitig wichtige Erkenntnisse austauscht und wo jeder vom anderen lernt. Die, die am meisten lernbereit sind, sind am Ende auch die, die reich werden, innerlich und äußerlich reich. Es sind die, die eine positive Lebenseinstellung haben und stets bereit sind, diese noch weiterzuentwickeln.
Sinnlos dagegen ist jegliches Diskutieren mit Leuten, die das alles gar nicht verstehen, was ich hier gerade geschrieben habe. Sie kennen das nicht, aber schlimmer noch: Sie lehnen auch jegliche Bekanntschaft damit ab. Sie verachten es sogar. Sie schieben die Verantwortung nach außen und werden immer unzufriedener. Hauptmerkmal ist bei ihnen der Neid, und direkt damit verbunden: die Erwartungs- und Anspruchshaltung. Sie reden dauernd von “Gerechtigkeit” und “Solidarität”, von “Wir müssen zusammenstehen” und “Wir werden es denen da oben schon noch zeigen”. Aber es sind Verlierer und Versager. Nicht, weil sie ungerecht benachteiligt worden sind, sondern aufgrund ihrer eigenen Denkweise und Lebenshaltung.
Gegen die Anspruchshaltung dieser Menschen läßt sich nichts ausrichten, schon gar nicht durch Gespräche oder Schriften. Sie haben nämlich für sich selbst, meistens ohne das überhaupt zu merken, eine Grundentscheidung getroffen. Chancen und Gelegenheiten werden sie deswegen nicht in dem Maße ergreifen, wie es ihnen (und ihren Angehörigen) gut täte. Sie werden sie sogar als “aussichtslos” verdammen.
Schlimmer wird das Ganze aber durch die Errichtung einer Gesamtideologie, die die Verantwortungslosigkeit und den Verzicht auf eigenes Lernen weltanschaulich untermauert. Und noch schlimmer wird es dadurch, daß diese Gesamtideologie in der breiten Masse hohen Respekt genießt. Auch von vielen Gelehrten und Hochgebildeten — ”hochgebildet” zumindest was akademische Grade und wissenschaftliches Expertentum angeht — wird sie kontinuierlich bekräftigt und mit vielerlei Argumentationslinien untermauert. Es handelt sich um den Sozialismus.
Kennzeichen des Sozialismus ist übrigens, daß er sich heute nicht mehr so nennt. Das beruht einerseits auf dem Scheitern der kommunistischen Regimes, andererseits aber auch auf einem raffinierten Übereinkommen wichtiger intellektueller Kreise im letzten Jahrhundert, die sich zu einer subtilen Unterwanderung der Kultur entschlossen und deren Grundsatz lautete, keine eigene Bezeichnung für ihre Bewegung zu proklamieren, sondern schöne Worte. Wo man auf geheime Staatsherrschaft aus war, nannte man das “Demokratie” und “Freiheit”, wo man auf Indoktrination der Menschen aus war, nannte man das “Autonomie”. Wer das nicht glaubt, suche sich irgendein beliebiges Schlagwort aus dem Repertoire dieser Ideologie, drehe es ins Gegenteil um, und er erhält die wahre Bedeutung.
Der Sozialismus ist die Doktrin der Verlierer und der Ansprüche-Stellenden. Er spricht von Gleichberechtigung und Gleichheit, aber jeden einzelnen dieser Verlierer würde die blanke Panik packen, wenn er irgendwo Verantwortung übernehmen müßte. Deshalb werden immer die Frechsten und Geschicktesten aus ihren Reihen zu Führern, allein schon aufgrund der beschriebenen psychologischen Dynamik. Sozialismus ohne Funktionäre, ohne rhetorisch beeindruckende Volkstribune ist nicht möglich. Die Funktionäre sprechen vom einen und meinen das andere. Genaugenommen meinen sie immer heimlich das Gegenteil von dem, was sie sagen. Die Funktionäre bündeln die Kraft aller Verlierer, die auf sie übertragen wird, und erheben dann einen Gesamtanspruch auf Enteignung und Versorgung. Sie vertreten ihre Parteigänger, die Verlierer, und projizieren auf die Leistenden als unmoralische Nutznießer. “Wir werden von denen ausgebeutet.” Natürlich sind sie selbst dabei immer die, die zuerst zu versorgen sind, denn wie Orwell in der “Farm der Tiere” so schön schrieb: “Alle Schweine sind gleich. Aber manche Schweine sind gleicher.”
Wie kommt es zum Ausbeutungsvorwurf? Ein einfaches Beispiel: Jemand wird als Angestellter beschäftigt und merkt, daß er ein zu niedriges Gehalt bekommt. Er protestiert, fordert mehr Geld. Bekommt es aber nicht. Er schließt sich mit anderen Unzufriedenen zusammen. Die Wut steigt und steigt. Zusammen bestätigt man sich gegenseitig diese Frustration. Schuld ist natürlich der Unternehmer, der sie angestellt hat. Einfache Frage: Warum wird niemand von diesen Angestellten selbst Unternehmer? Wissen sie überhaupt, wie das ist, Unternehmer zu sein? Nein. Es interessiert sie auch nicht. Sie sehen den Unternehmer mit seinem Mercedes vorbeifahren, und schon regt sich der Neid in ihnen. “Wir brauchen mehr Gehalt, dann können wir uns auch einen Mercedes leisten.” Natürlich kann das so nicht klappen. Die Idee, sich selbständig zu machen, selbst Gewinne zu erzielen und sich Luxus zu gönnen, wird von vornherein als abwegig verworfen.
Es gibt hier ein ganz einfaches Mißverständnis, oder genauer: ein absolutes, sehr einfaches Nicht-Verständnis: Keiner dieser Angestellten möchte überhaupt in die Rolle des Unternehmers gelangen. Sie möchten genau das sein, was sie sind: Angestellte. Warum? Weil das nämlich für sie etliche Vorzüge besitzt. Aber darüber wird nicht gesprochen. Wer sie darauf hinweisen würde, der würde starken Protest ernten. Natürlich, denn er hat ihr Tabu gebrochen.


