Die jüdische Feminismuskritikerin Esther Vilar wurde von Alice Schwarzer als “Faschistin” bezeichnet und, als wäre sie dadurch zur Vogelfreien erklärt worden, von Feministinnen bedroht und zusammengeschlagen, bis sie aus Deutschland fliehen musste.

An diese Fernsehdiskussion kann ich mich bis heute erinnern. Generell fand ich damals Fernsehdiskussionen langweilig, aber dies war die erste Fernsehdiskussion, die ich spannend fand. Bis zu dem Augenblick, wo Schwarzer die Kontrolle über sich verlor und Frau Vilar als “Faschistin” beschimpfte. Das fand ich damals erschreckend und auch irgendwie enttäuschend. Ich lebte damals hinter dem eisernen Vorhang in der “DDR”, und deshalb musste ich noch einige Jahre warten, bis ich das in dieser Sendung diskutierte Buch kaufen und lesen konnte. Es bestätigte im Nachhinein meinen positiven Eindruck, den ich von Frau Vilar hatte. “Der dressierte Mann” ist ein zeitloser Klassiker der Männeremanzipation, den ich auch heute noch jedem empfehlen kann, der das Buch noch nicht gelesen hat. Es ist teilweise satirisch und etwas überspitzt, dennoch voll von scharfsinnigen Beobachtungen und Gedanken.

Den Moment als Alice Schwarzer im öffentlich rechtlichen Fernsehen Frau Vilar als “Faschistin” beschimpfte, empfinde ich persönlich als eine Zäsur. Ich glaube, das war der Startschuss dafür, dass die Linke anfing, die Worte “Faschist” und “Nazi” in einem inflationären Umfang zu gebrauchen und in ihr Alltagsvokabular aufnahm. Während man vorher mit diesen Begriffen recht sparsam umging und sie nur gebrauchte, wenn man wirklich glaubte (zu Recht oder zu Unrecht) einen Nazi vor sich zu haben, wurden diese Begriffe zu Schlagworten ohne Bedeutung, die man im linken umgangssprachlichen Gebrauch zunehmend als Synonym für “Andersdenkende” gebraucht.

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