Anmerkung zu “Wie man die Vorzeichen … erkennt”
Wie der erwähnte, im Vor-Eintrag stehende Text sehr gut zeigt, läßt sich in diesem Bereich (Politik, Krieg, Diktatur, Währungscrash und alle damit einhergehenden drastischen Zwangsmaßnahmen, z.B. auch Enteignungen, Verhaftungen) eigentlich so gut wie alles vorausahnen. Das war mir schon früher an mehreren anderen Beispielen aufgefallen. Ich bin darauf auch schon anläßlich der Duisburger Loveparade-Katastrophe eingegangen: Man kann nicht nur, man muß derartige Geschehnisse vorausschnuppern können, und es ist auch gar nicht so schwer, das zu tun.
Dafür müssen aber bei jedem die persönlichen Voraussetzungen gegeben sein. Es handelt sich hier um eine ganz bestimmte Kombination von Scharfsinn, Fähigkeit zu intellektueller Analyse, Grundkenntnisse in Massenpsychologie und eigener Lebenserfahrung. Daraus entwickelt sich so etwas wie Intuition oder Instinkt. So etwas wie in Duisburg wäre mir z.B. niemals passiert. Ich hätte mich nicht mal mehr mit Gewalt zu einer Anwesenheit in derartigen Umständen zwingen können; da hätte bei mir der ganze Körper rebelliert und jeden Schritt in diese Richtung verweigert.
Heute, Samstag morgen (mit zwei nachfolgenden Feiertagen, also einer dieser für Innenstädte sehr “typischen” Samstage), mußte ich etwas in der Münchener City erledigen. Ich wußte schon vorher, was auf mich zukam, und wußte auch von vornherein, daß ich mich darauf erst gar nicht einlassen würde: ich würde einfach kurz da durchfahren, meinen Weg nehmen und wieder verschwinden. Ich bekam aber das mit, was ich von derartigen Tagen aus dieser unseligen, seelentötenden Umgebung kenne: die Massen dumpfer Konsumenten und “Schauer”, die sich dort wie hypnotisiert entlangschieben. Als wären sie völlig verblödet (was sie ja auch sind), ballen sie sich dort in Kaufhäusern und Cafés, glotzen in die Schaufenster und Reklamen. Der Bewußtseinsgrad dieser Wesen ist dann niedriger als der der Hunde, die sie an der Leine mitführen.
Das eigentlich Frappante ist aber die Zahl, in der solch ein Phänomen auftritt. Man mag ja immer davon sprechen, daß ein gewisser Teil der deutschen Bevölkerung inzwischen ahnt, was in unserem Land gespielt wird, und nicht mehr auf die Propaganda hereinfällt. Aber dennoch ist die Menge der Abgestumpften, die die Stadt zu solchen Zeiten bevölkert, einfach atemberaubend groß. Ich schwanke dann immer zwischen Mitleid, Hohn und Ekel.
Aber lassen wir das. Worauf ich hier hinauswill: Der Zustand von Hypnose und Verblödung, in dem sich die Konsumschafe befinden, die dort zu Tausenden umhertrotten, ist genau das, was ein Vorahnen und Durchschauen der im zitierten Text angesprochenen Veränderungen verhindert. Es ist das, was ich zumeist Gläubigkeit nenne. Aber es ist noch mehr als nur Glauben, es ist ein komplettes Nicht-mehr-wahrhaben-Wollen der Realität. Die Realität ist aber nicht wie im Schaufenster, wie im Kaufhaus, wie im Kino oder im Fernsehen, oder wie neuerdings auch im Mainstream-Internet (etwa: Spiegel-online, n-tv, tagesschau, heute, bild, oder meinetwegen auch “Niggemeier” oder “basic thinking” oder “schockwellenreiter/schicke Wellen Reiter”). Wer da den Unterschied nicht mehr mitbekommt, der wird verraten und verkauft. Der kann nicht mehr selber denken. Der ”orientiert” sich. Wer sich ”orientiert”, merkt nicht, wenn in Ministerien nachts noch gearbeitet wird. Denn dazu braucht man jenen gewissen selbständigen Scharfsinn, der beim “Sich-Orientieren” an Mainstream-Gedankengängen nach und nach kaputtgeht. Es ist wie mit dem Gehör: Wer dauernd nur Lärm hört, der hört kein Grillenzirpen mehr, und der hört auch nicht mehr den Bus oder die Straßenbahn, die auf ihn zurasen, während er einen Schritt zu weit vorn an der Haltestelle steht.


