Olga Förtsch: Vom Haben zum Wollen und zurück
MUST READ: Wieder ein hervorragender Text von Olga Förtsch, in dem die nicht existierenden Kleider unser pseudopolitischen “Kaiser” treffend vorgestellt werden.
Auszug:
Eigenartiges Treiben herrscht hier: große Hektik, große Nervosität und eine auffallende Selbstlosigkeit, in der sich alle zu überbieten scheinen. Offensichtlich gehört es einfach zu den Spielregeln, genauso wie die Gewohnheit, Bedürfnisse und Wünsche auszusprechen, indem man sie leugnet.
„Die Bundesregierung teilt mit: ‘Sarkosy hat nicht mit Euro-Auszug gedroht.’“
„Die Bundesregierung sieht keinen Grund für Griechenland-Hilfe.“
„Ratspräsident Van Rompuy warnt vor einem Kollaps der Euro-Zone, doch Kanzlerin Merkel sieht keine Gefährdung. Irland will keine Hilfsgelder, doch die EU stellt sie bereit.“
„Deutsche Regierung strikt gegen Euro-Bonds.“
„Brüderle sieht keine Inflationsgefahr für den Euro.“
„Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero warb um Vertrauen für sein Land. Es sei ‘absolut ausgeschlossen’, dass Spanien auf den Euro-Rettungsfonds zurückgreifen müsse.“
„Die Euro-Finanzminister sehen keine Notwendigkeit, den Euro-Rettungsschirm zu vergrößern.“
Nur der US-Botschafter Philip Murphy scheint sich diesem Chor nicht anzuschließen „Vor allem kommt es jetzt darauf an, dass wir die „’Euro-Rettung‘ als Story am Köcheln halten. Genial war es, wie wir vergangene Woche plötzlich Belgien ins Spiel gebracht haben!“, schreibt er erfreulich offen in einer seinen letzten Depeschen, die er über die Geheimkanäle nach Washington gekabelt hat.


